Krise auf dem schleswig-holsteinischen Immobilienmarkt hält an

Kiel, 08.01.2010 - Auf dem schleswig-holsteinischen Immobilienmarkt ist
eine durchgreifende Erholung nicht in Sicht. Nachdem die Preise für Eigenheime
bereits in den ersten sechs Monaten 2009 auf breiter Front um teilweise
drei bis fünf Prozent nachgegeben hatten, sanken sie im ländlichen
Raum in der zweiten Jahreshälfte nochmals leicht. Lediglich in Kiel, Lübeck
und im Hamburger Rand blieben die Preise für Einfamilienhäuser stabil.
Für Eigentumswohnungen zwischen 40.000 und 100.000 Euro stiegen die
Preise hingegen leicht an. Das geht aus dem aktuellen Marktbericht des
landesweit arbeitenden Immobilienunternehmens Otto Stöben (Kiel) hervor.
„Die Finanzkrise hat den schleswig-holsteinischen Markt für Wohnimmobilien
weiterhin fest im Griff", erklärt Geschäftsführer und Immobilienmakler
Carsten Stöben.

Der Immobilienexperte rechnet damit, dass die Preise vor allem für Einfamilienhäuser
im Laufe des Jahres 2010 weiter nachgeben werden. Als Grund
für diese Entwicklung nannte Stöben die Zurückhaltung bei Verkäufern von
Wohnimmobilien. „Da viele potenzielle Verkäufer derzeit zögern, ihre Immobilien
anzubieten, baut sich eine Angebotswelle auf", so der Immobilienmakler.
Stöben geht davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte 2010
verstärkt Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen angeboten werden.
„Dann könnten die Preise weiter nachgeben". Vor diesem Hintergrund
sei es besser, seine Immobilie jetzt anzubieten und nicht auf steigende
Preise zu spekulieren. „Denn die Nachfrage ist im Moment sehr gut", erklärt
Stöben. Wie aus dem Marktbericht hervorgeht, haben sich Eigenheime
in der Kategorie mittel (mittlere Wohnlage, Standardausstattung wie
isolierverglaste Fenster und Teppichboden) in der Landeshauptstadt von
1.410 Euro je Quadratmeter leicht auf 1.450 Euro verteuert. Einfamilienhäuser
mit guter Ausstattung (bevorzugte Wohnlage, exklusive Ausstattung
wie Kamin, Schwimmbad oder Sauna) gingen von 2.250 Euro pro
Quadratmeter auf 2.200 Euro zurück.

Im Raum Itzehoe Land sanken die Preise für gut ausgestattete Eigenheime
um 30 Euro pro Quadratmeter auf 1.420 Euro und für Einfamilienhäuser
mit mittlerer Ausstattung um 20 Euro pro Quadratmeter auf 830 Euro. Im
Bereich Schleswig Land gingen die Preise für mittel ausgestattete Eigenheime
von 970 auf 930 Euro pro Quadratmeter zurück. In Norderstedt
stiegen die Preise für Einfamilienhäuser der gleichen Kategorie leicht um
20 Euro auf 1.620 Euro pro Quadratmeter.

In Lübeck verteuerten sich Eigenheime in dieser Kategorie um 50 Euro auf
1.400 Euro pro Quadratmeter. Für einfach ausgestattete Eigenheime (einfache
Wohnlage, einfache Ausstattung wie einfachverglaste Fenster und
einfache sanitäre Anlagen) blieben die Preise flächendeckend auf dem
niedrigen Niveau der ersten Jahreshälfte 2009. Der Markt für Kapitalanlagen
blieb ebenfalls auf dem Niveau des vergangenen Jahres.

Markt-Erholung bleibt weiter aus /
Banken bei Kreditvergabe nach wie vor zurückhaltend


Damit ist eine durchgreifende Erholung des Immobilienmarktes ausgeblieben.
„Die Preise werden im Laufe des Jahres 2010 eher weiter sinken
als steigen", betonte Stöben. Neben einer drohenden Angebotswelle sieht
Stöben als Gründe für einen schwächelnden Immobilienmarkt die weiterhin
restriktive Kreditvergabe durch die Banken sowie steigende Bauzinsen.
„Baugeld ist derzeit so billig wie noch nie. Das wird nicht so bleiben. Die
Zinsen werden eher steigen als weiter sinken", so Stöben. Vor diesem Hintergrund
riet Stöben Verkäufern nicht länger zu warten. „Wer jetzt gute
Angebote ausschlägt und auf Nachbesserungen wartet, muss damit rechnen,
dass seine Immobilie weiter an Wert verliert", betonte der Immobilienmakler.

Die Nachfrage nach gebrauchten Wohnimmobilien sei da. Käufer seien
jedoch sehr viel anspruchsvoller geworden und achteten verstärkt auf einen
guten Pflegezustand. „Die Lage ist nach wie vor zentral für den Wert
einer Immobilie. Doch wenn der Pflegezustand nicht stimmt, hilft manchmal
selbst eine gute Lage nicht", erklärte Stöben. Von Show-Renovierungen -
wie sie in den USA üblich seien - riet der Makler jedoch ab. „Käufer wollen
sich selbst ein Bild vom Zustand der Immobilie machen können. „Problemzonen"
sollten daher nicht versteckt werden.

Mieten für Büros und Geschäfte ebenfalls gesunken / Wohnmieten
ziehen weiter an


Die Mieten in Schleswig-Holstein Büros und Geschäften haben dem Trend
für Eigenheime folgend ebenfalls nachgegeben. So sanken die Preise für
gut ausgestattete Läden in ganz Schleswig-Holstein teilweise deutlich um
bis zu 25 Prozent. Die Mieten für Wohnungen steigen hingegen weiter an.
„Vor allem kleinere und mittlere Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern
sind sehr gesucht." Hintergrund für diese Entwicklung ist nach Worten von
Stöben der mangelnde Neubau von Wohnraum. „Der Markt ist so eng,
dass wir allein in Kiel sofort über 100 kleine Wohnungen mit bis zu 50
Quadratmetern vermieten könnten", betonte Stöben.


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